6 Fragen an Frank Thelen

 

Frank Thelen ist ein europäischer Seriengründer, Technologie-Investor und TV Persönlichkeit. Als Gründer und CEO von Freigeist Capital konzentriert er sich auf Frühphasen-Investitionen wie Lilium Aviation, Xentral, Wunderlist, Ankerkraut oder YFood. Er veröffentlichte die beiden Beststeller „Startup-DNA“ und „10xDNA“.

 

1. Welche Produkte und/oder Dienstleistungen von jungen Unternehmen werden die Gewinner der nächsten Jahre sein?

Frank Thelen: In den nächsten fünf Jahren werden Gründer mehr denn je neue Basis-Technologien verwenden können. Also Blockchain, 5G, 6G, 3D-Druck, Quantencomputer, neue Algorithmen, unendliche Rechen-Kapazitäten der Cloud usw. Wer das geschickt nutzt und dann ein – bildlich gesprochen – zehnmal besseres Produkt, einen zehnmal besseren Service anbietet, der ist der Gewinner. Wer das nicht tut, wird wahrscheinlich keinen Erfolg haben. Denn es gibt ja glücklicherweise viele kluge Köpfe, die auch Zugriff zu Kapital haben und damit genau diese neuen Produkte und Dienstleistungen entstehen. Also es ist das, was Erfolg haben wird. Es ist aber auch das, was notwendig ist, für bereits etablierte Unternehmen, weil wir eine Menge toller neuer Services erleben werden.

 

 

2. 70% aller Start-ups überstehen das erste Firmenjahr nicht. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und wie kann dies verhindert werden?

Frank Thelen: Muss man fairerweise sagen, diese Auslese, so hart das ist, gehört dazu. Weil ansonsten könnte jeder einfach nur ein Start-up gründen und hätte mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Erfolg. Was sind Möglichkeiten, um eine bessere Erfolgschance zu haben? Das eine ist Erfahrung. Dass man sich Leute ins Team holt.  Weil man jedoch gerade erst am Start ist, ist es nicht einfach diese Leute für sich zu begeistern. Oftmals haben diese Menschen weitere Optionen, also z.B. sehr hohe Gehälter oder Beteiligung. Aber wenn man erfahrene Leute mit an Bord holen kann, ist das sehr hilfreich.

 

Natürlich gehört auch eine Finanzierung dazu. Je mehr Kapital man hat und umso mehr Versuche man hat, das Produkt am Markt zu platzieren. Aber auch hier wieder die Herausforderung: Wie begeisterst du Kapitalgeber von deinem jungen Unternehmen? Also das ist glaube ich ein normaler Auslese-Prozess und Gründer müssen versuchen besser zu pitchen, bessere Talente zu generieren. Aber am Ende des Tages wird es bei einer ähnlichen Quote bleiben. Denn wäre die Quote auch niedriger, dann wären die neuen Ideen nicht ambitioniert genug, sondern würden nur in bestehende Business-Modelle reingehen. Und das wäre dann vielleicht okay, aber auch kein wirklicher Erfolg. Und deswegen, ja, das Startup Leben ist hart.

 

 

3. Was ist die top Kernkompetenz, die eine Gründerin oder ein Gründer heutzutage haben muss?

Frank Thelen: Ich glaube, die wichtigste Eigenschaft für Gründer ist die Passion für das, was er oder sie erschaffen will. Dieses „Ich brenne dafür, ein Flugzeug elektrisch anzutreiben, denn Ich glaube Öl verbrennen ist der falsche Weg.“ Oder „Ich brenne dafür, mehr Transparenz in den Jobmarkt reinzubringen, weil ich glaube, dass da heute Dinge intransparent sind und Leute Werte abgreifen, was nicht okay ist.“ Oder „Ich brenne dafür, den perfekten Smoothie auf den Markt zu bringen, weil die Produkte heute nicht gut sind. Und ich will, dass die Leute sich gut ernähren.“

 

Wofür auch immer du brennst, das Wichtigste ist, dass du eine ganz klare Vision hast und dich nicht ablenken lässt. Es wird Leute natürlich geben die sagen “du schaffst das alles nicht“. Und es werden Leute sagen „das Produkt macht keinen Sinn“. Aber du als Gründer musst für dein Produkt, deine Vision brennen und sie wirklich auch ohne Wasser durch die Wüste tragen. Und das ist die wichtigste Kernkompetenz.

 

 

4. Welche Branchen sollten ganz besonders auf Investitionen in Start-ups setzen und weshalb?

Frank Thelen: Ich glaube, dass alle großen etablierten Player mit Start-ups kooperieren sollten. Warum? Sie haben oftmals Services, die neu, anders, besser, agiler sind. Start-ups bringen etwas zu den etablierten Unternehmen, was diese selbst nicht haben. Nämlich neue Gedanken und Mut. Auf der anderen Seite hat aber das Großunternehmen viel Kapital, starke Vertriebsstrukturen, eine gute Organisation, um z.B. Dinge zu zertifizieren oder direkt in die Läden zu bringen. Ich glaube, diese Kooperation zwischen Start-ups und großen Unternehmen ist für beide Seiten ein sehr guter Weg. Und ich würde mich freuen, wenn wir davon noch mehr sehen würden.

 

 

5. Welche sind die drei wichtigsten Schlüsselfaktoren, die dafür sorgen, dass unsere besten Innovationsträger nicht länger in die USA und nach China abwandern?

Frank Thelen: Um das Talent hier in Deutschland und Europa zu halten, brauchen wir eine mutige Politik. Wir haben es nicht mal geschafft ein ESOP-Programm, also Employee Stock Option Program, auf den Weg zu bringen, das steuerlich und vom Handling her Sinn macht. Olaf Scholz hat das ganz klar blockiert. Das heißt, man gründet ein Start-up und eigentlich möchte man jedem im Team eine Beteiligung ermöglichen. Sodass jeder die Chance hat, Vermögen aufzubauen. Und wir kriegen das nicht hin. Und deswegen glaube ich einfach, dass die Politik sich trauen muss, hier die richtigen Rahmenbedingungen für Start-ups zu etablieren. Die sind vom deutschen Start-up Verband und anderen Quellen ganz klar definiert. Es ist klar, was zu tun ist, aber die Politik traut sich leider bis heute nicht, das Ganze umzusetzen.

 

 

6. Welche politischen Veränderungen sind notwendig, um eine bessere Förderung von Start-ups zu erzielen?

Frank Thelen: Der Wähler muss wählen. Und man sollte sich die Wahlprogramme genau durchlesen. Vieles was sich zunächst grün und toll anhört, wird am Ende des Tages der Start-up-Kultur schaden. Wir brauchen eine faire, offene Marktwirtschaft. Wir brauchen Mitarbeiterbeteiligungsprogramme. Wir brauchen niedrigere Steuern z.B. für Venture Capital Fonds. Wir brauchen die Möglichkeit, dass die Rente, in der sehr viel Kapital gebunden ist, auch z.B. in Aktien investiert. Dann wird der Aktienmarkt wieder ein Katalysator für Venture Capital. Und nur wenn Venture Capital an den Aktienmarkt übergeben kann, können große Unternehmen entstehen.

 

Wir brauchen eine andere Wirtschaftspolitik. Die konnte in der GroKo aktuell nicht umgesetzt werden. Und deswegen ist jede einzelne Stimme wichtig, die sich für Parteien einsetzt, die das richtige Programm haben, um Start-ups zu fördern. Die dann wie Biontech oder CuraVac hoffentlich Antworten finden auf die großen Herausforderungen der Welt. Auch wenn es Rückschläge gibt. Also wir brauchen mutige Investoren. Wir brauchen einen funktionierenden Markt. Von der Mitarbeiterbeteiligung über einen IPO. Und da muss sich jeder fragen, in welchem Parteiprogramm man das findet.

 

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