Schluss mit Krise: Wer opfer bleibt, ist selber schuld

Was tun, wenn sich Berufs- und Arbeitsleben plötzlich komplett verändern? Der Coach Sebastian Wächter hat es am eigenen Leib erfahren. Aus seinen Einsichten lassen sich auch Lehren und Tipps für die gegenwärtige Krise ziehen.

80 % der StartUps sehen ihr Geschäft aktuell negativ beeinflusst, 70 % gehen so weit, dass sie ihre Existenz bedroht sehen, sollte sich diese Situation nicht schnell signifikant verbessern. – SpringerProfessional

StartUps müssen jetzt schnell die richtigen Schritte tun, bekommen meist jedoch nicht ausreichend staatliche Unterstützung – sind also akut in ihrer Liquidität bedroht. Viele sind noch nicht am Markt etabliert, können nicht auf langjährige Stammkunden oder vertrauensvolle Beziehungen zu Dienstleistern und Lieferanten bauen. Doch genau diese Verbindungen sind in der Krise Gold wert.

Solidarität ist der Schlüssel

Große Veränderungen brauchen eine starke Gemeinschaft – das war schon immer so. In schlechten Zeiten ist Solidarität wichtiger denn je. Einzelkämpfer haben es gerade dann schwer. Ich selbst durfte das erleben, nachdem ich vor 13 Jahren beim Wandern einen falschen Schritt machte und kopfüber in einen Bach stürzte. Ich überlebte – querschnittsgelähmt vom fünften Halswirbel abwärts. Seitdem bin ich im Leben immer wieder auf Hilfe angewiesen.

Zum Beispiel als ich viele Monate nach dem Unfall aus der Klinik entlassen wurde. Damals stellte sich für mich die Frage: Kann ich an meine alte Schule zurückkehren, um mein Abitur abzuschließen? Die Schule ist nicht rollstuhlgerecht ausgebaut. Ein Aufzug? Fehlanzeige. „Dann tragen wir dich hoch“, war die kurzentschlossene Antwort meiner Schulkameraden. „Das wird schon irgendwie gehen.“ Und genauso lief es dann auch ab – zwei Jahre lang, während der gesamten Oberstufe. Die Hilfsbereitschaft meiner Mitschüler hat uns zu einem starken Team zusammengeschweißt. Wir sind heute noch sehr gut befreundet.

„Raus aus der Opferrolle, rein ins Umsetzen“

So wie ich mich damals auf meine neue Situation einstellen musste, sollten jetzt auch Gründer auf gegenseitige Hilfe setzen, um ihre Unternehmen durch die Krise zu retten. Dadurch können Beziehungen entstehen, die auch nach der Krise Bestand haben.

4 Tipps für StartUps

1. Um Unterstützung bitten
In dieser Zeit braucht ihr jede Hilfe, die ihr kriegen könnt. Scheut euch nicht, danach zu fragen. Das kann meiner Ansicht eines der wichtigsten Learnings aus der Krise sein. Offenheit schafft hier Vertrauen. Denn so hart uns die Krise auch trifft – sie bringt gerade eine Menge Solidarität zum Vorschein.

2. Nur Bares ist Wahres
Das Wichtigste ist jetzt: liquide bleiben. Prüft neben staatlichen Förderungen auch andere Möglichkeiten, den Cashflow möglichst positiv zu halten: Vielleicht sind Kunden bereit, für stornierte Aufträge Gutscheine zu erwerben. Ein offenes Gespräch mit Mitarbeitern könnte dazu führen, dass sie auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Eventuell sind Investoren und Lieferanten bereit, euch Zahlungen zu stunden. Welchen Mehrwert könnt ihr euren Geschäftspartnern in der Krise bieten? Jetzt sind kreative Ideen gefragt. Es braucht einen vertrauensvollen Austausch, der auch Win-Win-Situationen ermöglichen kann.

3. Den Energieschub nutzen
In Extremsituationen schütten wir Adrenalin aus und entwickeln eine ungeahnte Energie und Gruppendynamik, um Dinge anzugehen. Also nutzt diese Motivation und lasst euren Mitarbeitern jetzt die Freiräume, die sie brauchen, um loszulegen.


4. Rat suchen
Mitstreiter geben sich gegenseitig Tipps und stellen Link-Sammlungen zusammen, auch Verbände und Netzwerke sorgen für eine Menge Wissenstransfer. Seid bereit, Rat zu geben und ihn auch nachzufragen. Das ist nicht schwach, sondern smart. Vergesst solche Gedanken. Ihr steht mit euren Problemen nicht alleine da: Gründern auf der ganzen Welt geht es gerade nicht anders als euch. Und echte Solidarität – da bin ich das beste Beispiel – bleibt auch über das Ende der Krise hinaus bestehen und zahlt sich langfristig für alle Seiten aus.

Mit diesen Tipps können StartUps und Gründer gemeinsam und erhobenen Hauptes aus der Krise schreiten. Mehr über die Wichtigkeit von Zielen und konkrete Schritte zu deren Umsetzung findet ihr in Sebastians Buch Change Mindset – Veränderungsprozesse ins Rollen bringen!“.